Impressionen von den Taekwondo-Wettkämpfen 2016 in Rio

Während bei den Olympischen Spielen der Jahre 1988 und 1992 Taekwondo nur als Demonstrations-Wettbewerb zu sehen war, ist die immer populärer werdende Kampfsportart seit dem Jahr 2000 vollwertige olympische Disziplin. Vom 05. bis 21. August 2016 konnten begeisterte Taekwondoka aus aller Welt in Rio de Janeiro zum fünften Mal mitfiebern und ihre jeweiligen Champions anfeuern. Wie bisher wurde auch 2016 in acht Gewichtsklassen gekämpft, jeweils vier bei Männern (bis 58, 68, 80 und über 80 kg) und Frauen (bis 49, 57, 67 und über 67 kg). In jeder Klasse gab es außerdem zwei Bronzemedaillen.

Härter, schneller, cooler, Taekwondo

Die schnelle und extrem dynamische Kampftechnik Taekwondo kommt ursprünglich aus Korea – kein Wunder also, dass Südkorea in der noch kurzen olympischen Taekwondo-Geschichte bislang die größten Erfolge zu verzeichnen hatte. Als weitere Favoriten wurden Iran, Türkei, Spanien und Frankreich gehandelt – aber es gibt schließlich immer Raum für Überraschungssiege: So konnte der Deutsche Faissal Ebnoutalib schon 2000 in Sydney Silber holen, und Helene Fromm 2012 Bronze in London.

Natürlich war es ein harter Schlag für die deutsche Taekwondo-Mannschaft, dass der dreimalige Europameister Levent Tuncat (58 kg) kurzfristig seine Teilnahme aufgrund einer Augenverletzung, die er sich in einem Trainingswettkampf zugezogen hatte, absagen musste. Aber mit dem Ex-Weltmeister Tahir Gülec (80 kg) und dessen Schwester Rabia Gülec (67 kg), die für Deutschland in den Ring gingen, bestand durchaus Hoffnung auf gute Platzierungen und Medaillen.

Highlights mit Mehrwert

Generell gab es einen signifikanten Umschwung im Hinblick auf die Medaillenverteilung: Während 2012 in London die Europäer (Großbritannien, Italien, Serbien und Spanien) mit vier Goldmedaillen klar vorne lagen, konnte 2016 Asien vier Goldmedaillen verzeichnen (jeweils zwei für China und Südkorea). Europa holte drei Goldmedaillen (Aserbaidschan und Großbritannien) und die Elfenbeinküste konnte mit einer Goldmedaille aufwarten.

Insgesamt waren die Olympischen Spiele 2016 bei den Taekwondoka von herausragenden Kämpfen geprägt, die sich nicht einfach durch einen Medaillenspiegel wiedergeben lassen. So gewann zum Beispiel Ahmed Abughaush (68 kg) in einem spektakulären, großartigen Fight die erste Goldmedaille, die Jordanien je bei den Olympischen Spielen erringen konnte. Ganz klar verdientermaßen, allein seine brillante Fußarbeit und ein wahres Feuerwerk an hohen Kicks machten seine Kämpfe zu einem echten Erlebnis. Oder die Bronzesiegerin Kimia Alizadeh Zenoorin (57 kg), die als erste Frau eine Medaille für den Iran holte und danach sagte: „Ich möchte ein Vorbild sein, ich möchte Türen öffnen“. Das bewegte nicht nur eingefleischte Taekwondo-Fans! Ein weiteres Highlight war ein dramatischer Sieg in letzter Sekunde, dessen sich Cheick Sallah Junior Cisse (80kg) rühmen darf und damit Afrika zur ersten Goldmedaille in Taekwondo und speziell der Elfenbeinküste zur ersten Goldmedaille überhaupt verhalf.

Zu den größten Gewinnerinnen gehörte definitiv Jade Jones (57 kg) aus Großbritannien, die ihr zweites olympisches Gold errang. Damit steht die walisische Kampfsportlerin auf der gleichen Leistungsstufe wie Jingyu Wu (49 kg) aus China und Kyungseon Hwang (67 kg) aus Südkorea.

Zu Edelmetall hat es bei den deutschen Wettkämpfern zwar nicht gereicht, aber immerhin haben es die Geschwister Tahir und Rabia Gülec beide bis ins Viertelfinale geschafft und sich tapfer geschlagen – Hut ab auch vor dieser Leistung! Natürlich gab es noch viele weitere spektakuläre, schöne, technisch perfekte Kämpfe, aber das würde einfach zu weit führen... zur genauen Übersicht befindet sich am Ende des Blogs ein detaillierter Medaillenspiegel.

https://youtu.be/PRqWsmXSOh0

Sports und Spirit

Die Olympischen Spiele sind immer auch ein Indikator für die Fortschritte einer Sportart im Lauf der vergangenen vier Jahre. Die sicherlich größte technische Weiterentwicklung in Rio de Janeiro war der erstmalige Einsatz von elektronischem Kopfschutz. Obwohl die Technologie noch nicht ganz ausgereift ist, sorgte die Anwendung von PSS (Protector- and Scoring System) in Kampfweste und Kopfschutz schon jetzt für ausschlaggebende Verbesserungen: Menschliches Versagen wurde deutlich minimiert, die Wettkämpfe waren fairer und – insbesondere für das Publikum – auch transparenter.

In diesem Zusammenhang sind natürlich auch die Sponsoren und Ausstatter für Taekwondo-Kampfsportartikel und Kampfsportzubehör zu erwähnen. Neben den großen Marken wie Daedo, Mooto und Kwon stach insbesondere ein noch recht junges Unternehmen ins Auge: Tusah. Mitte 2015 gegründet, spielt Tusah bereits in der Oberliga des Kampfsportequipments mit, hat seine komplette Produktpalette der Prüfung der WTF (World Taekwondo Federation) unterzogen und erhielt die entsprechende Zulassung. Damit ist Tusah eine international anerkannte Marke, die sicherlich auch in Zukunft Aufsehen erregen wird. Übrigens war Tusah nicht nur einer der Schirmherren der Olympischen Spiele in Rio, sondern darüber hinaus auch offizieller Sponsor der Taekwondo 2016 Junior World Championships, die in Burnaby, Kanada, stattfanden.

Dabeisein war alles

Zusammenfassend lassen sich die Taekwondo-Wettkämpfe 2016 in Rio definitiv als großen Schritt in der Wettkampfgeschichte des Taekwondo bezeichnen. Auch in der Presse wurde der Event als ‚Best Taekwondo Olympics Ever’ bezeichnet, und das zu Recht: großartige Fights, viele sportliche Überraschungssiege, keine Skandale, eine durchweg positive Berichterstattung. Und eins steht fest: Mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 haben sich der internationale Bekanntheitsgrad und die generelle weltweite Bedeutung von Taekwondo als Kampfsportart ganz sicher erhöht.