Das Lernen von Taekwondo ist mehr, als nur das schnelle Erlernen einiger Techniken, um diese dann im Wettkampf aneinander auszutesten. Viele einzelne Elemente müssen im Training verbunden werden und führen letztendlich zum größeren Ganzen. Über die Jahre trägt jeder einzelne dieser Bausteine schließlich zum stabilen Fundament bei, das es dem Taekwondoin ermöglicht, über sich hinaus zu wachsen. Woraus besteht das Taekwondotraining also genau?

1. Begrüßung

Vor dem eigentlichen Training gehört im Taekwondo häufig grundlegende Etikette dazu. Somit werden sowohl Respekt voreinander, als auch Traditionen der Kampfkunst gewahrt. Brauch im Taekwondo ist, sich beim Betreten des Dojang, also des Trainingsraumes, gegenüber dem Lehrer und den Schülern zu verbeugen. Die offizielle Begrüßung erfolgt anschließend direkt vor dem Trainingsbeginn. Zu diesem Zweck stellen sich alle Schüler nach Rang geordnet in Reihen auf. Der ranghöchste Schüler steht rechts vorne, der rangniedrigste hinten links. Es folgt die Begrüßung durch den höchsten Schüler an den Lehrer, als auch an vorhandene Landesfahnen. Abweichungen können möglich sein, in jedem Fall werden diese einem als Neuling aber nähergebracht, sodass kein Grund zur Sorge besteht.

2. Aufwärmen und Stretching

Üblicherweise folgen nach der Begrüßung lockere Aufwärmübungen, die je nach Platz der Halle mit lockerem Laufen beginnen und in andere spezifischere Übungen übergehen. Dies dient dem allgemeinen Aktivieren des Kreislaufes, um mental und körperlich besser auf das Training vorbereitet zu sein, sowie Verletzungen zu vermeiden. Einen besonderen Stellenwert bekommen Übungen, die die Durchblutung der Beinmuskulatur fördern, für deren bessere Koordination sorgen und die Beine für das bevorstehende Stretching lockern.

Da Fußtechniken im Taekwondo sehr intensiv trainiert werden, ist Stretching besonders wichtig. Durch ausgiebige Dehnübungen fallen Tritte wesentlich leichter, sind geschmeidiger ausführbar und die Verletzungsgefahr wird massiv verringert. Besonders hohe Tritte können ohne adäquate Dehnübungen bei untrainierteren Taekwondoin zu Zerrungen führen. Diese Verletzungen verhindert der Schüler durch gewissenhaftes Dehnen und Aufwärmen. Außerdem verbessert sich die Flexibilität der Muskulatur auf diese Weise langfristig und Fußtechniken fallen insgesamt leichter. Verletzungen werden so auch dauerhaft unwahrscheinlicher, da der Bewegungsapparat durch längeres Training schon im Kaltzustand flexibler ist.

3. Grundschule und Theorie

Nachdem der Körper sorgfältig aufgewärmt wurde, beginnt das Training einzelner Übungen. Ziel ist es, sich auf das Verbessern von jeweils einzelnen Techniken nacheinander zu konzentrieren. Daher werden diese in Blöcken konzentriert wiederholt. Der Lehrer demonstriert dabei zuerst die korrekte Ausführung und korrigiert einzelne Schüler, wenn ihm akute Verbesserungspotentiale auffallen. Um sich an Kontakt zu gewöhnen und den Effekt seiner Techniken zu spüren, werden Pratzen eingesetzt. Ähnlich einem Boxsack erlauben diese greifbaren Schlagpolster das Üben von Faustschlägen, Tritten und weiteren Angriffen.

Zusätzlich erklärt der Lehrer die Theorie zu den Techniken, wozu sowohl die entsprechende koreanische Begrifflichkeit gehört, als auch mögliche Einsatzgebiete. Eine klare Definition eines Begriffes für jede Technik, machen unmissverständliche Anweisungen und ein effizientes Training möglich. Außerdem ist das Wissen, wann eine Anwendung effektiv ist, ebenso wichtig, wie eine perfekte Ausführung.

4. Formenlauf

Formen sind vereinfacht dargestellt feste Abläufe eines Kampfes gegen einen imaginären Gegner. Die aneinandergereihten Techniken mögen für einen Neuling des Taekwondo willkürlich erscheinen, sind aber ein wichtiger Bestandteil des Gesamtkonzeptes und wurden von erfahrenen Großmeistern erstellt. Die Bewegungsabläufe sind dementsprechend vorgegeben und müssen erlernt werden, um in den Rängen innerhalb des Taekwondo aufzusteigen. Bezeichnet werden sie im Taekwondo meist als Hyeong oder Pumsae, wobei die Schreibweisen variieren können.

5. Geplanter Kampf und Freikampf

Neben imaginären Gegnern, sollten auch echte Gegner zur Verfügung stehen, um seine Techniken zu üben. Üblicherweise wird vor einem freien Kampf erst innerhalb eines abgesprochenen Rahmens geübt. Der Angriff wird konkret benannt und kann auch zuerst langsam ausgeführt werden. So bekommt der Taekwondoin ein besseres Gefühl für Distanzen und wie eine Technik als Angriff oder Konter eingesetzt werden kann. Ein fokussierteres Üben der Techniken ist damit möglich, ohne sich Sorgen um die vielen Aspekte innerhalb eines freien Kampfes machen zu müssen. Von der Grundschule des Taekwondo an bis hin zum letztendlich freien Kampf findet so ein schrittweises Annähern bis zur intuitiven Ausführung von Techniken statt.

Wenn der Schüler bereit ist, findet der Freikampf statt. Sowohl Wettttkampfvorbereitung, als auch die Übung weiterer Aspekte von Techniken unter erschwerten Bedingungen können das Ziel sein. Ein Gegner, der in Bewegung ist, lässt sich logischerweise nicht so leicht treffen wie ein stationäres Ziel oder ein kooperativer Trainingspartner. Techniken können insofern erst perfektioniert und wirklich effektiv werden, wenn der Schüler sie unter diesen Umständen erfolgreich einsetzt. Zur Wettkampfvorbereitung wird vollständige Schutzausrüstung benutzt, aber auch ein kontaktloser Kampf mit weniger Schutz ist möglich.

Der Trainingsablauf: Nicht in Stein gemeißelt

Nach dem freien Kampf endet das Training in vielen Vereinen, auch wenn noch Abwärmen oder manchmal eine Form der Meditation folgen können. Obwohl der beschriebene Verlauf sehr typisch ist, können Abweichungen vorkommen oder je nach Leistungsstand variieren. Letztendlich ist entscheidend, was der allgemeine Schwerpunkt des Vereins oder aktuelle Ziele sind. So können einzelne Elemente zugunsten anderer zeitweise weniger Raum bekommen oder es finden speziellere Aspekte des Taekwondo statt, wie beispielsweise die Bruchtests. Wichtig ist lediglich, dass regelmäßig trainiert wird und man sein Bestes gibt, neue Fortschritte zu machen. So zahlt sich jedes Taekwondotraining unabhängig vom einzelnen Ablauf aus.