Entwicklung und Geschichte des Taekwondo

Die Verteidigungstechniken der asiatischen Kampfkünste bildet sich fast alle in Kriegszeiten aus. Bei Phasen von Frieden konzentrierte man sich auf die sportlichen und gesundheitsfördernden Aspekte der einzelnen Kampftechniken. Religiöse Aspekte in vielen Fällen ebenfalls hinzu. So finden sich vor allem Einflüsse aus dem Buddhismus und dem Konfuzianismus in koreanischen Kampfkünsten wieder. Geschichtlich beruht die Entstehung von Taekwondo vor allem auf der übermäßigen Macht des Königsreiches Koguryo gegenüber den beiden Königreichen Baekchac im Südwesten von Korea und Silla im Südosten des Landes.

Koguryo bedrohte die beiden unterlegenen Nachbarn wirtschaftlich als auch als kriegerisch. Besonders die Einwohner von Silla konnten in dieser Zeit erhebliche Fortschritte bei der Weiterentwicklung ihrer Kampfkünste ausbilden. Es gelang ihnen dadurch über Jahrhunderte hinweg ihre Unabhängigkeit und Selbständigkeit zu bewahren. Der permanenten Zwang zur Kampfbereitschaft führte auch zu einer wirtschaftlichen Glanzzeit und das Land erblühte. Das Beherrschen der Kampfkunst wurde auch als Auswahlkriterium für Anwärter auf staatliche Stellen vorteilhaft bewertet.

632 n. Christus gründete der König von Silla benannt nach der koreanischen Armee eine Organisation mit dem Namen „Hwa Rang Do“. Das buddhistische Gedankenheut sollte hier weiterentwickelt werden und der Geist des Volkes geschärft werden. Anfänglich noch aus Jugendlichen bestehend, wurden später nur die ausgesuchtesten und talentiertesten Bewerber aufgenommen. Die Hwa Rang Do Bewegung gilt heute als Grundstein des Taekwondo, da sie die moralischen Grundsätze formuliert, nach denen bis heute die Kampfkunst unterrichtet wird. Beeinflusst durch die Glaubensansätze in der Zen-Dynastie erlebte die Region Silla als auch ihre Organisation einen großen Aufschwung. Neben der Kampfkünste wurden ihre Lehren auch auf andere Künste, Wissenschaften und Tugenden ausgeweitet.

Werte des Taekwondo

Mit der Lehre von Taekwondo sollte die Eigenverantwortung gesteigert werden, seine Fähigkeiten bewusst zu übernehmen. Angeleitet mit der Frage nach dem „Wie“ müssen sich die Teilnehmer aber diese Fähigkeiten selber aneignen. Mit alten und neuen Methoden zur Erreichung der inneren Zufriedenheit lehrt das traditionelle Taekwondo vor allem wie man eine Veränderung seiner Denkweise erreichen kann. Nach 1910 gab es jedoch in Groß-Korea eine nachhaltige Veränderung mit der Annektierung des Landes durch die Japaner. Jegliche Kultur du Geschichte wurde zerstört und die japanischen Kolonialherren lehrten ihre eigenen Kampfarten wie Jiu Jitsu, Kendo, Judo und Karate. Während die Koreaner Kampfsport stets als geselliges Beisammensein angesehen haben, wurden jetzt Versammlungen mit mehr als 10 Personen verboten und verhindert.

Das Training alleine war nicht möglich und Wettkämpfe rückten stärker in den Fokus. Auch wenn offiziell Taekwondo nicht verboten war, wäre es beinah, genau wie eine Vielzahl anderer Kampfsportarten, ausgelöst. Diese Unterdrückung führte aber auch dazu, dass der Wille zum Aufrechterhalten der alten Tradition und ihrer daraus resultierenden Kampfkunst, stetig vorhanden war. Ähnlich der damaligen ständigen Kampfbereitschaft gegen das übermächtige Königreich folgte in den Jahren der Unterdrückung eine Auflehnung gegen die Vernichtung der eigenen Identität. Dieser Beharrlichkeit ist das Fortbestehend von Taekwondo und anderen Kampfkünsten aus Korea zu verdanken.

Takewondo in der jüngeren Zeit

Erst nach dem Niedergang der japanischen Besatzer 1945 konnten die Koreaner dahin zurückkehren, wofür sie die ganzen Jahre über vorbereitet waren. Taekwondo wurde jetzt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und fand schnell eine allgemeine Verbreitung. Eine umfassende Neuordnung der inneren und äußeren Strukturen wurde unter General Choi Hong Hi durchgeführt. Die bedeutendsten Persönlichkeiten des Landes wurden einbezogen und formierten mit Hilfe eines Komitees die Umwandlung des damaligen Taekyon in das Taekwon-Do. Übersetzt bedeutet dies etwa „Weg der Hand und des Fußes“. Im Mittelpunkt stehen Schnelligkeit und Dynamik, wobei in heutigen Wettkämpfen vor allem die Fußtechniken zum Einsatz kommen.

Die Schulung des Geistes wird vor allem durch die 5 Grundsätze des Taekwondo erreicht:

1) Ye-Ui steht für Höflichkeit
2) Yom-Chi bedeutet die Integrität
3) In-Nae ist das Durchhaltevermögen & die Geduld
4) Guk-Gi bezeichnet die Selbstdisziplin
5) Beakjul-bool-gul ist die Unbezwingbarkeit

Zurück in ihrem Heimatland eröffneten ausbildete Bewohner 5 Taekwondo Schulen, die das heutige Taekwondo begründeten. Alle Namen endeten auf „Kwan“, was wörtlich übersetzt etwa Halle bedeutet. Die Schulen in Seoul dienten aber auf Grund der Beeinflussung ihrer Besitzer durch die japanischen Karate-Künste ursprünglich zum Training des Koreanischen Karate. Noch vor dem Koreakrieg von 1950 bis 1953 wurde in Busan die Koreanische Gongsudo-Vereinigung als Dachverband gegründet. Sie hielt jedoch nicht lange und wurde in den 60 er Jahren durch die bis dato nicht offiziell registrierte Taekwondo-Vereinigung ersetzt. Von zahlreichen Streitigkeiten der Gründungsmitglieder geprägt, gelang es erst durch die Konflikte der unterschiedlichen Verbände einen der beiden Weltverbände 1980 als Weltfachverband Taekwondo beim IOC anerkennen zu lassen. Der WT (World Taekwondo) war 1988 und 1992 bei olympischen Wettkämpfen vertreten und seit 2000 in Syndey ist Taekwondo als vollwertige olympische Disziplin anerkannt.

Taekwondo in Deutschland

In Deutschland formierte sich der offizielle Taekwondo Verband DTU, der dem Deutschen Olympischen Sportbund angehört. International gibt es neben dem WT noch den ITF, International Taekwon-Do Federation und weitere unzählige Schulen, die sich mehr oder weniger am traditionellen Taekwondo-Stil orientieren. Das moderne Taekwondo wird mit Schutzausrüstung beim Wettkampf ausgetragen und vom DTU, ITF und WT praktiziert. Beim traditionellen Taekwondo handelt es sich um einen kontaktlosen Kampf, bei dem Schläge und Tritte kurz vor dem Gegner abgestoppt werden. Auch in der Schreibweise finden sich Unterschiede, da der Begriff durch unterschiedliche Schreibweisen in westliche Schriften nicht eindeutig übersetzbar ist.


In Deutschland wurde Taekwondo seit dem Jahre 1965 durch die Großmeister Choi Hong-hi und Kwon Jae-hwa verbreitet. Das Deutsche Team erreichte 1979 und 1982 Gold bei Olympia, dazu zwei Mal die Bronze-Medaille im Jahr 1988 bei den ersten TKD Wettkämpfen in Seoul. Zahlreiche weitere Medaillen und Titel gehen auf das Konto der deutschen Kampfsportler. Über 58.000 Sportler trainieren heute in Deutschland in rund 850 Vereinen.

Die Deutsche Taekwondo Union DTU

Die DTU Deutsche Taekwondo Union wurde 1981 gegründet und darf als einzige Vereinigung neben dem Deutschen Olympischen Sportbund Sportler nach Olympia entsenden. Vom weißen Gürtel für Anfänger bis zum Schwarzen Gürtel der Meister kann sich der Kampfsportler qualifizieren. Eine besondere Bedeutung wird der koreanischen Landesflagge in diesem Zusammenhang zuteil. Die vier Trigramme und das rot-blaue Yin-Yang Zeichen haben besondere spirituelle Bedeutung, da die vier Trigramme als Grundlinien bei der Bewegung dienen. Das philosophische Symbol des Universums mit der Erde als blaue Hälfte und dem Himmel als rote Hälfte repräsentiert die positiven und negativen Kräfte im ständigen Kampf gegeneinander. Die vier Trigramme sind die Universen Himmel, Wasser, Feuer und Erde. Die Flagge hängt in vielen Taekwondo Schulen, und soll die Wandlung des Menschen von einer Wirklichkeit in die andere darstellen sowie die Idee von Gegensatz und Gleichgewicht im Universum versinnbildlichen.