Ist Taekwondo für die Selbstverteidigung geeignet?

Persönliche Weiterentwicklung, Disziplin, eine fittere, attraktivere körperliche Erscheinung, spannender Wettkampfsport und gesundheitliche Vorteile. All das kann Taekwondo bei regelmäßigem Training bieten. Selbstverteidigung ist für viele allerdings ebenfalls ein guter Grund, sich für einen Kampfsport zu entscheiden. Eignet sich Taekwondo auch zu diesem Zweck?

Koordiniertere Angriffe

Es sollte nie unterschätzt werden, welche koordinativen Anforderungen an einen gezielten Schlag oder Tritt bestehen. Der Gegner ist ständig in Bewegung und das richtige Einschätzen von Abständen will auch gelernt sein. Da man im Alltag üblicherweise nicht damit beschäftigt ist, konstant um sich zu schlagen, ist diese Art von Bewegung ungewohnt für die untrainierte Person. Somit ist ein gezielter Angriff schon komplex genug auszuführen, aber in einer Notsituation wird es erst recht schwer, spontan diese Leistung abzurufen. Ein regelmäßiges Taekwondo-Training hilft dabei, Angriffe zu automatisieren, sodass über einen gezielten Schlag nicht mehr nachgedacht werden muss und dieser sofort effektiv abrufbar ist.

Einfache Techniken

Taekwondo lehrt von simplen Faustschlägen und Tritten alles bis hin zu akrobatischeren Angriffen. Letztere dienen auch der eigenen Körperschule und einer verbesserten Körperkontrolle. Im Ernstfall sollte auf einfach abrufbare Techniken zurückgegriffen werden, die dank des ganzheitlichen Taekwondo-Trainings aber um so leichter ausführbar sind. Nur weil auch hohe Tritte innerhalb des Trainings gelernt werden, heißt das nicht, dass im Ernstfall nicht ein schneller, kurzer Angriff eingesetzt werden kann. Diese fallen dem Taekwondoin durch das vielfältige Training und das hohe Maß an Körperkontrolle besonders leicht. Für jede Situation bietet Taekwondo letztendlich eine passende Antwort.

Hosinsul

Speziell zur Selbstverteidigung und typischen Kampfsituationen auf offener Straße gibt es im Taekwondo Hosinsul. Hosinsul ist die eigene Selbstverteidigungsschule des Taekwondo. Hierbei geht es nicht um fairen Wettkampf oder die Perfektion von Standardtechniken, sondern um das Bestehen in potentiell gefährlichen Verteidigungssituationen. Auch bewaffnete Angreifer, Klammergriffe oder mehrere Angreifer können Thema sein. Vorrangig kommen minimalistische, spontan einsetzbare Techniken zum Einsatz. Außerdem wird das Überwinden der eigenen Schrecksekunde gelernt, um nicht aus Schock tatenlos gegenüber dem Angriff zu bleiben.

Körperliche Fitness

Abgesehen von Techniken zählt im Ernstfall auch rohe, körperliche Fitness. Zum einen tut ein kräftiger Schlag oder Tritt mehr weh, als ein halbherziger Angriff eines Untrainierten. Zum anderen gleicht die Anstrengung eines realen Kampfes der eines Sprints. Zu jedem Zeitpunkt wird maximale Energie abgerufen. Eigene Kräfte können dabei schnell zur Neige gehen, was fatal ist, wenn man letztendlich kraftlos zu Boden gerissen wird. Da Taekwondo ein ausgezeichnetes Ausdauertraining darstellt und den Körper insgesamt kräftigt, wird dieses Risiko deutlich minimiert.

Selbstbehauptung

Nicht nur körperliche Aspekte zählen bei der Selbstverteidigung. Genau wo wichtig ist es, selbstsicher und entschlossen seinem Angreifer gegenüberzutreten. Angreifer suchen sich üblicherweise keine gefährlichen Gegner. Sie wollen kein Risiko eingehen und suchen sich leichte Opfer. Das regelmäßige Taekwondo-Training gibt Sicherheit und ermöglicht es, mit der Aufregung eines bevorstehenden Kampfes umzugehen. Im Sparring mit seinem Trainingspartner lernt man, dass es kein Weltuntergang ist, wenn man aus Unachtsamkeit doch mal einen Treffer einsteckt und erleidet durch den kurzen Schmerz keinen lähmenden Schock. Alles in allem nimmt das Training viel von der Angst verletzt zu werden. Dies ermöglicht es, dem Angreifer sowohl direkt, als auch indirekt zu vermitteln, dass er im Falle einer Attacke keine gute Zeit haben wird. Idealerweise kommt es so zu keinem Kampf wodurch das Ziel eigener Unversehrtheit um so leichter erreicht wurde.

Eignet sich Taekwondo also zur Selbstverteidigung?

Zweifelsfrei ist somit klar, dass ein regelmäßiges Taekwondo-Training mehr persönliche Sicherheit bietet. Dabei geht es nie um die Befriedigung des eigenen Egos, einen plumpen Vergleich mit anderen Personen oder Kampfsportarten. Das Ziel ist einzig und allein, morgen immer ein bisschen besser auf sich aufpassen zu können als gestern.