Unzählige Diskussionen hat es gegeben, welche Kampfsportart die vermeintlich beste ist. Egal ob in Internetforen oder im direkten Gespräch unter Kampfkunstinteressierten - das Thema scheint niemals endgültig geklärt zu sein. Wie steht es hinsichtlich des Vergleichs von Taekwondo und Karate? Welches ist die bessere Kampfsportart?

Eigenschaften von Taekwondo

Taekwondo ist eine traditionelle, koreanische Kampfkunst. Der Fokus liegt hier vor allem auf Tritten und anderen Fußtechniken, aber auch Fausttechniken werden trainiert. Die wachsende Popularität hat dazu geführt, dass Taekwondo sogar olympisch wurde und seitdem im Profisport stark vertreten ist.

Stilistisch gibt es im Taekwondo überschaubare Unterschiede. Taekwondo ist eine vergleichsweise einheitliche Kampfsportart. Im Prinzip gibt es heutzutage lediglich drei große Verbände, die Taekwondo entsprechend ihrer Interessen beeinflusst haben. Zusammenfassend lassen sich diese Unterschiede von traditionell und ursprünglich über eine Weiterentwicklung des traditionellen Stils bis hin zu einem modernen und effektiver am Wettkampf orientierten Taekwondo kategorisieren. Im Endeffekt unterscheiden sich die Techniken selbst eher kaum, sondern nur deren Bezeichnungen, der Schwerpunkt des Trainings und die Wettkampfregeln.

Wettkampf findet im Taekwondo meist im Vollkontakt statt, wobei Schutzausrüstung am Körper getragen wird. Hierbei wird fast ausschließlich mit Tritten gekämpft. Ziel ist es entweder durch einen Treffer am Kopf des Gegners ein KO zu erzielen oder durch Punkte einen technischen Sieg zu erringen. Abseits von dieser olympischen Form des Turniers, gibt es durch die traditionelleren Verbände auch weniger verbreitete Wettkämpfe, die beispielsweise ohne direkten Kontakt und ohne komplexe Schutzausrüstung stattfinden, dafür aber etwas weniger fokussiert auf Fußtechniken sind.

Der Formenlauf, also das Trainieren einstudierter Technikreihenfolgen, wird je nach Verband unterschiedlich bezeichnet. Innerhalb des größten Verbands, der World Taekwondo Federation, gibt es eine überschaubare Anzahl von Formen.

Durch die vielen Tritte und die Komplexität höherer Techniken des Taekwondo erlangt ein Taekwondoin eine enorme Körperbeherrschung, sehr hohe Beweglichkeit und entwickelt eine vergleichsweise akrobatische Fitness.

Eigenschaften von Karate

Karate ist eine alte japanische Kampfkunst. Charakteristisch für Karate sind die vielen unterschiedlichen Stilrichtungen, die teilweise enorme Unterschiede in den Techniken zur Folge haben. Am meisten verbreitet ist in Deutschland der Shotokan-Stil. Im Endeffekt ist Karate aber unabhängig von der Stilrichtung auf Fuß- und Fausttechniken konzentriert und verfügt im Gegensatz zu anderen japanischen Kampfkünsten wie Aikido oder Jiujitsu nur begrenzt über Grifftechniken oder Würfe.

Der Wettkampf im Karate hängt stark von der jeweiligen Stilrichtung ab. Häufig sind Wettkämpfe kontaktlos, fauststoßlastig und die Schutzausrüstung beschränkt sich auf Mund-, Tief- und Faustschutz. Es existieren aber auch extremere Stile, beispielsweise der des Kyokushin Karate. Hier wird lediglich mit Tiefschutz und im Vollkontakt gekämpft, wobei Schläge mit der blanken Faust zum Gesicht innerhalb des Wettkampfes verboten sind.

Einen vergleichsweise hohen Stellenwert hat im Karate das Lernen von festen Formen, den Kata. Diese stilisierten Kämpfe gegen imaginäre Gegner müssen auswendig gelernt und regelmäßig geübt werden. Über die Karatestile hinweg gibt es eine sehr große Anzahl von Kata.

Karate ist eine vielfältige Kampfkunst und eignet sich sowohl zur persönlichen Weiterentwicklung, als auch zur effektiven Selbstverteidigung.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede im direkten Vergleich

Sowohl Karate, als auch Taekwondo sind sehr schlag- und trittorientiert. Griffe und Würfe spielen wenn überhaupt nur eine untergeordnete Rolle und haben in Turnieren keinen Platz. Aufgrund der starken Ähnlichkeit hinsichtlich der Techniken kann Taekwondo auch umstrittenerweise als eigene Stilrichtung des Karate angesehen werden. Der Fokus des Taekwondo liegt aber im Gegensatz zum Karate unabhängig vom Stil immer stärker auf den Fußtechniken.

Der Wettkampf ist beim Karate und beim Taekwondo gleichermaßen abhängig vom Verband. Dennoch besteht lediglich beim Taekwondo die Möglichkeit, an einer Olympiade teilzunehmen. Der dort praktizierte Vollkontaktwettkampf mit Körper- und Kopfschutz ist im Karate auch eher unüblich.

Als traditionelle Kampfkünste mit einem komplexen Reportoire an Disziplinen und sportlichem Wettkampf sind sowohl Karate, als auch Taekwondo nicht ausschließlich auf Selbstverteidigung fixiert. Beide Stile eignen sich dazu, sich im Ernstfall gegenüber einem Angreifer zu verteidigen. Im Gegensatz zu modernen und stark vereinfachten Systemen, die rein auf Straßenkampf geeicht sind, bieten sie allerdings wesentlich mehr Möglichkeiten der körperlichen und persönlichen Weiterentwicklung. Karate und Taekwondo haben somit gemeinsam, dass neben Selbstverteidigung viele Gründe für einen Training sprechen.

Was ist nun besser? Es kommt darauf an!

Letztendlich kann nicht eindeutig gesagt werden, ob Karate oder Taekwondo besser ist. Aus gutem Grund haben sich mehrere Kampfkünste bis heute durchgesetzt. Wenn es eine für jeden Menschen eindeutig beste Kampfkunst gäbe, so würden alle anderen einfach verdrängt. Das ist aber nicht der Fall und es muss individuell entschieden werden, ob sich Karate oder Taekwondo besser eignen.

Ist der Kampfsportinteressierte beispielsweise motiviert, olympische Erfolge zu feiern, so ist Taekwondo gegenüber Karate im Vorteil. Hat jemand eine Abneigung gegenüber Fußtechniken, so ist er im Karate vermutlich besser aufgehoben. Begeistert er sich hingegen für die Perfektion diverser Fußtechniken, so ist Taekwondo für denjenigen eventuell sogar die beste Wahl aller Kampfkünste. 

Letzten Endes ist auch jeder Körper anders. Der eine lernt einen Stil sehr schnell und genießt das Training, hat aber mit einem anderen Kampfsport seine Schwierigkeiten. Es hilft nur, seine eigenen Erfahrungen zu machen und zu lernen, welcher Kampfsport einem selbst am besten liegt. Unabhängig davon, was irgendwer hinsichtlich der Effizienz einzelner Kampfkünste behauptet, ist dies der einzige Weg, um selbst mit seiner Entscheidung glücklich zu sein.