Was ist Taekwondo und was bietet mir Taekwondo?

Taekwondo ist eine moderne Kampfsportart aus Korea, bei der es im Vergleich zu anderen asiatischen Sportarten auf Dynamik und Schnelligkeit ankommt. Auf Wettkämpfen dominiert Taekwondo mit seinen überragenden Beintechniken.

Der Begriff Taekwondo setzt sich aus den koreanischen Wörtern für
TAE – Bein- und Fußtechniken, womit aber auch Sprünge gemeint sind,
KWON – Hand- und Fausttechniken und
DO – der Weg bzw. das Ziel für den geistigen sowie körperlichen Reifeprozess des Trainierenden zusammen.

Die Ursprünge des Taekwondo 

Taekwondo Kaempfer abstraktTaekwondo wurde von General Choi Hong-hi entwickelt, der dieser Sportart im Jahr 1955 ihren Namen gab. Choi Hong-hi entwickelte kurz nach der japanischen Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg diese Sportart, wobei auch Einflüsse aus dem japanischen Karate hinzugefügt wurden. Zunächst wurde Taekwondo lediglich als Militärsport der koreanischen Armee ausgeübt. Jedoch entschied sich Choi Hong-hi, seine Sportart der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Jeder Mensch sollte von den Vorzügen dieser dynamischen Sportart profitieren.

Heute haben sich weltweit zwei Verbände aus dem ursprünglichen Taekwondo weiterentwickelt. Auf der einen Seite gibt es die International Taekwon-Do Federation und die World Taekwondo. Großen Erfolg konnte die World Taekwondo im Jahr 1994 verbuchen, da diese Sportart erstmals als olympische Disziplin anerkannt wurde. Bei den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney war Taekwondo erstmals offiziell vertreten. Hierzulande wird die World Taekwondo durch die Deutsche Taekwondo Union e.V. mit Sitz in München vertreten. Nur hierüber ist es möglich, dass Sportler an den Olympischen Spielen teilnehmen können.

Welche Vorzüge bietet Taekwondo?

Taekwondo ist keine Sportart für Schläger oder solche, die sich auf der Straße behaupten möchten. Es ist eine besondere Sportart, mit der sowohl der Körper als auch der Geist geschult wird. Das Training setzt sich aus vielen Schwerpunkten zusammen und führt zu einem abwechslungsreichen Gesamtgebilde. Hierzu gehören:

  • Das Aufwärmtraining bzw. die Gymnastik: Der Körper wird gekräftigt und gedehnt.
  • Das Grundschultraining: Hier werden wichtige Einzeltechniken ohne Gegner erlernt.
  • Der Formenlauf: Die Einzeltechniken werden zu einem festgelegten Bewegungsablauf, ähnlich einem Kampf gegen einen imaginären Gegner, zusammengefasst. Er Formenlauf ist ein wichtiger Bestandteil jeder Taekwondo-Prüfung.
  • Das Ein- bis Dreischritt-Sparing: Hierbei handelt es sich um einen abgesprochenen Übungskampf zweier Gegner, wobei jede Aktion mit einem Vorwärts- bzw. Rückwärtsschritt eingeleitet wird.
  • Die Selbstverteidigung: Hier lernen die Schüler sich gegen bewaffnete und unbewaffnete Gegner zu verteidigen.
  • Der Freikampf: Hierbei handelt es sich um einen Übungskampf zwischen zwei Gegner mit Schutzbekleidung, wobei hierzu letztlich auch der olympische Wettkampf gerechnet wird.
  • Der Bruchtest: Hierzu gehört das gezielte Zerstören von Brettern, Ziegelsteinen oder anderen Materialien mit Fuß- und Handtechniken.
  • Die Theorie: Natürlich darf auch die theoretische Wissensvermittlung im Taekwondo nicht fehlen.


Ein regelmäßiges Training fördert eine geistig-positive Haltung. Schon im Kindesalter werden die Schüler in Ausdauer, Konzentration und Willenskraft geschult. Ein respektvoller Umgang mit den Lehrern und höher graduierten Schülern wirkt sich auch im späteren Leben positiv aus. Auf der einen Seite wird dem Körper die nötige Stärke und Beweglichkeit gegeben, auf der anderen das Selbstvertrauen und die Konzentration gestärkt. Dies sind überaus wichtige Faktoren, um in der Schule bis zum Berufsleben hiervon zu profitieren. Nicht umsonst wurden einst von General Choi Hong-hi die fünf wichtigsten zu erreichenden Ziele definiert:

    1. Höflichkeit,
    2. Integrität,
    3. Durchhaltevermögen,
    4. Selbstdisziplin und
    5. Unbezwingbarkeit.


    Taekwondo lehrt seine Anhänger höflich und bescheiden zu sein, stärkt die Selbstbeherrschung und die Gerechtigkeit. Bei einem gemeinsamen Training mit anderen wird die Zusammengehörigkeit gestärkt, woraus sich die Integrität, Hilfsbereitschaft und Treue ergibt. Wer ernsthaft Taekwondo erlernt, unterwirft sich wichtigen menschlichen Regeln, die in heutiger Zeit leider selten geworden sind. Hierzu gehören:

    • Der Schüler verpflichtet sich, die Grundsätze des Taekwondo einzuhalten,
    • Er verpflichtet sich, seinen Trainer und alle Höhergestellten zu achten,
    • Der Schüler verpflichtet sich, Taekwondo nie zu missbrauchen,
    • Er verpflichtet sich, für Freiheit und Gerechtigkeit sich einzusetzen,
    • Er verpflichtet sich, bei der Schaffung einer friedlicheren Welt mitzuarbeiten.


    Durch das ständige Lernen erfolgt nicht nur in körperlicher Hinsicht eine Weiterentwicklung. Auch das Do wird mit der Zeit besser verstanden. Es gibt die innere Ruhe und Kraft, die sich auch in den Handlungen widerspiegelt. Insgesamt ist Taekwondo eine Lebensanschauung, die sich positiv auf das Privatleben und auch auf den Berufsalltag auswirkt.

    Zu den wichtigen Besonderheiten gehört die richtige Atemtechnik. Nur mit einer kontrollierten Atmung kann der Sportler seine optimale Leistung erbringen und verbirgt sogleich beim Gegner, ob man selbst angreifbar ist oder nicht. Dabei handelt es sich um die Zwerchfell-Atmung, die vom Bauchraum hervorgerufen wird. Es wird durch die Nase eingeatmet und kräftig durch den Mund ausgeatmet. Die Muskeln spannen sich beim Ausatmen und der Trainierende ist gegenüber Schlägen und Tritten weniger verletzlich. Für Anfänger ist es häufig ungewöhnlich, wenn Sie eine laute Atmung wahrnehmen. Jedoch ist es im Taekwondo überaus wichtig, den richtigen Atmungsrhythmus zu erlernen. Aus diesem Grund erfolgt bei einer kräftig ausgeführten Atemtechnik auch der bekannte Kampfschrei, der idealerweise aus dem Bauchraum erfolgen sollte und nicht über die Stimmbänder. Der Kampfschrei, auch Kihap genannt, hat folgende Bedeutung:

    • Sie besiegen damit die eigene Angst vor dem Gegner,
    • die eigene Kampftechnik wird wirkungsvoll verstärkt,
    • mitunter wird der Gegner erschreckt,
    • beim Ausatmen ist man weniger verletzlich, da sich die Baumuskeln anspannen


    Mit einem intensiven Training können Sie Ihre körperliche Fitness steigern. Obwohl Anfänger sich zunächst vornehmlich in der Selbstverteidigung schulen, hat die Erfahrung gezeigt, dass nach einem langjährigen Training diese Techniken zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Wichtiger ist die Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit. Dank der geschulten Anleitung des Lehrers, der diese Entwicklung selbst durchgemacht hat, können Sie hier von dessen Erfahrung profitieren.

    Taekwondo Lifestyle

    Taekwondo wird zur Lebenseinstellung. Wer sich intensiv mit dieser Sportart auseinandersetzt, der wird auch noch im hohen Alter bei seinem regelmäßigen Training bleiben. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie später keine hohen Tritte und Sprünge mehr ausüben können. Es zählen der eigene Wille und die Ausführung der möglichen korrekten Techniken. Insbesondere als erfahrener Schwarzgürtelträger tragen Sie die Verantwortung, diese einzigartige Sportart weiterzugeben. Im Gegensatz zu vielen traditionellen Kampfsportarten aus anderen Ländern entwickelt sich Taekwondo immer weiter.

    Nachfolgende körperliche und charakterliche Ziele lassen sich mit Taekwondo erreichen:

    • Schnelligkeit,
    • Beweglichkeit,
    • Kraftentwicklung,
    • Ausdauertraining,
    • Schulung des Gleichgewichtssinns,
    • richtige Atemkontrolle,
    • Konzentration (wird durch den Formenlauf begünstigt),
    • Erkennen der eigenen Stärken und Schwächen,
    • Erhöhung der Selbstsicherheit,
    • respektvoller Umgang gegenüber anderen Menschen,
    • Üben von Bescheidenheit und
    • innerliche Ruhe.

    Über die beiden Weltverbände des Taekwondo

    1966 wurde die International Taekwondo Federation in Seoul durch General Choi Hong-hi gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehören die Länder Korea, Vietnam, Malaysia, USA, Singapur, Arabien, Türkei, Deutschland und Italien. Mittlerweile ist das ITF-Taekwondo in mehr als 100 Ländern vertreten. General Cho Hong-hi war bis zu seinem Tode im Jahr 2002 der erste und einzige Präsident dieses Verbandes. 1972 wurde der Hauptsitz nach Toronto (Kanada) verlegt und später im Jahr 1985 nach Wien (Österreich).

    Bedingt durch die Emigration von General Choi Hong-hi wurde die World Taekwondo in Seoul gegründet. Grund hierfür war, dass Korea darauf bestand, dass der Sitz dieses Nationalsportes unbedingt im eigenen Land verbleiben sollte. Wie bereits erwähnt, genießt die WT (World Taekwondo) den Vorzug, dass sie seit 1994 olympische Disziplin geworden ist.

    ITF und der WT

    Der große Unterschied zwischen der ITF und der WT besteht darin, dass der Formenlauf bei der ITF als Tul bezeichnet wird und bei der WT als Poomse. Es handelt sich hierbei um grundlegend verschiedene Bewegungsabläufe, die jedoch beide einen hohen Stellenwert bei den Gürtelprüfungen haben. Ein weiterer Unterschied besteht bei der Austragung der Wettkämpfe. Bei der WT tragen die Kämpfer einen Brustpanzer sowie einen Kopfschutz. Fäuste und Füße sind unbedeckt und werden zum Teil im Vollkontakt eingesetzt. Bei der ITF tragen die Wettkämpfer Boxhandschuhe und einen Fußschutz. Auf einen Brustpanzer wird verzichtet. Mittlerweile ist auch hier ein Kopfschutz zur Pflicht geworden. Gekämpft wird hier im Leicht- und Vollkontakt.

    Neben den beiden Weltverbänden gibt es aber auch noch das traditionelle Taekwondo, wie es General Choi Hong-hi in den Anfangsjahren praktiziert hat. Diese wird hierzulande jedoch nur noch selten in Schulen angeboten.