Taekwondo ist eine Kampfsportart aus Korea. Charakteristisch ist die große Dominanz der Fußtechniken im Vergleich zu anderen Kampfsportarten. Somit ist Taekwondo als trittlastige Kampfkunst stark auf Beweglichkeit und Schnelligkeit ausgelegt. Als Kampfsport ist Taekwondo sehr beliebt und wird seit 2000 als vollwertiger olympischer Wettkampf ausgetragen.

 

Was bedeutet der Begriff Taekwondo?

Es existieren mehrere Schreibweisen von Taekwondo. Gebräuchlich sind auch Taekwon-Do und Tae-Kwon-Do. Das Wort Taekwondo setzt sich letztlich aber immer aus drei Teilen zusammen:

Tae - "Fuß": Tae steht für alle Fußtechniken, zu denen Tritte und andere Angriffe mit den Beinen gehören.

Kwon - "Faust": Kwon meint alle Techniken, die mit Händen und Armen ausgeführt werden, also Fauststöße, Handkantenschläge, Ellenbogenstöße, Blocktechniken und weiteres.

Do - "Weg" im Sinne von "Lehre": Das Wort Do steht für die tiefere Bedeutung des Wortes Weg. Als solches beschreibt es das stetige Lernen im Taekwondo und untermalt, dass der Weg selbst bereits das Ziel ist und es keinen expliziten Endpunkt im Taekwondo gibt.

Der koreanische Begriff Taekwondo kann somit ungefähr als "Der Weg von Fuß und Faust" interpretiert werden. Trainierende werden als Taekwondoin bezeichnet.

Die Herkunft von Taekwondo

Während der japanischen Herrschaft, die von 1905 bis 1945 dauerte, wurde Taekwondo auf Basis der Karatestile der Japaner entwickelt. 1955 bekam Taekwondo schließlich seine eigene Bezeichnung und der Begriff tauchte explizit erstmalig auf. Als mitunter wichtigster Mitentwickler und Erfinder des Begriffes Taekwondo gilt der koreanische General Choi Hong-hi, der während seiner militärischen Karriere Karate in Japan lernte. Seine Soldaten unterrichtete er zunächst in Karate, entwickelte dieses aber nach seinen Vorstellungen weiter, um gegenüber den Japanern im Vorteil zu sein.

Körperlicher Wert des Taekwondo

Trainieren von Taekwondo stellt eine starke Anstrengung für die menschliche Fitness dar. Die Intensität des Trainings ist im Allgemeinen sehr hoch und in Folge entwickelt sich mit der Zeit eine hohe Belastbarkeit und Ausdauer.

Der starke Fokus auf Fußtechniken erfordert außerdem eine hohe Beweglichkeit. Diese wird selten vom Trainierenden von vorneherein mitgebracht, stellt sich aber im Laufe der Zeit bedingt durch regelmäßiges Dehnen und hohe Tritte automatisch ein. Der Trainierende wird äußerst flexibel und vorher schmerzhafte Bewegungen werden zum neuen Standard. Taekwondo eignet sich im Vergleich mit anderen Kampfsportarten enorm gut zur Verbesserung der Beweglichkeit, da dieser Aspekt verhältnismäßig viel benötigt wird und sich folglich schnell den Anforderungen anpasst.

Taekwondo basiert stark auf Schnelligkeit. Da Tritte blitzschnell ausgeführt werden müssen, weil ihnen sonst einfach ausgewichen werden kann, arbeitet ein Taekwondoin konstant daran, schneller zu werden. Dies sorgt außerdem für deutlich stärkere Tritte, da durch die schnelle Bewegung wesentlich mehr Kraft beim Auftreffen entsteht.

Schließlich wird der gesamte Körper stabiler, kräftiger und in seiner Muskulatur ausgeglichen geschult. Balance und Koordination sind äußerst wichtig bei der Ausführung von später auch höheren und akrobatischeren Fußtechniken. Jeder Muskel des ganzen Körpers muss koordiniert seine Arbeit verrichten, um komplexe Bewegungen erfolgreich auszuführen. Angriffe werden letztendlich nicht nur mit den Beinen oder Armen, sondern mit dem ganzen Körper ausgeführt. Ein fortgeschrittenes Gleichgewicht, ist die Folge.

Geistiger Wert des Taekwondo

Neben rein körperlichen Aspekten findet eine ebenso wichtige Entwicklung innerhalb des Taekwondoin statt. Durch die Notwendigkeit in der Grundschule des Taekwondo Bewegungen unzählige male immer wieder repetitiv zu wiederholen wird die Disziplin geschult. Nur durch stetiges Arbeiten an den einzelnen Techniken werden selbige besser. Durch Anwendung dieser Methode stellen sich aber gleichzeitig Erfolgserlebnisse beim Trainierenden ein. Da Erfolge unweigerlich folgen, erkennen Trainierende den Wert des disziplinierten Übens. Dieser wird dadurch immer mehr ein Teil des Menschen.

Das Gefühl, dass harte Arbeit an sich selbst auch eine Verbesserung zur Folge hat, ist äußerst positiv für den eigenen Selbstwert. Personen fühlen sich nicht mehr ihrem derzeitigen Leistungsstand und ihren Eigenschaften ausgeliefert, sondern erkennen, dass stetiges Lernen den Weg zu persönlicher Freiheit ebnet. Dabei zählt weniger der direkte Vergleich mit anderen, sondern dass man mit jedem Training besser sein kann, als man es vorher war. Durch dieses in sich selbst erfüllende Gefühl stellt sich eine größere Ausgeglichenheit beim Taekwondoin ein, als er sie vorher kannte. Diese wird noch um so stärker durch die Gewissheit, sich besser verteidigen zu können, was gleichzeitig Ängste mildern kann.

Das gemeinsame Training mit anderen Taekwondoin schult auch ein angemessenes Maß an Bescheidenheit und Eigenkritik. Vor allem bei Übungen mit erfahrenen Schülern oder dem Lehrer wird dies deutlich. Maßlose Selbstüberschätzung kann sich erst gar nicht einstellen, wenn man alltäglich bemerkt, dass nur beständiges Training zum Ziel führen kann und man die ersten Früchte dieser Arbeit bei höher graduierten Trainierenden bereits erkennt. Gleichzeitig wird später weniger geübten Schülern Respekt entgegengebracht, da man selbst weiß, dass jeder mal am Anfang seines Weges gestanden hat. Jeder lernt seine eigenen Grenzen besser einzuschätzen und strebt danach, sie kontinuierlich zu erweitern.

General Choi Hong-hi formulierte explizit sogar fünf Grundsätze des Taekwondo, welche die geistigen Aspekte dieser Kampfkunst widerspiegeln sollen:

 

  • Höflichkeit: Ye-Ui
  • Integrität: Yom-Chi
  • Geduld: In-Nae
  • Selbstdisziplin: Guk-Gi
  • Unbezwingbarkeit: Baekjul-bool-gul



Abseits des Körpers schult Taekwondo also parallel zahlreiche charakterliche und geistige Aspekte des Menschen. Nur in Kombination kann beides sein wahres Potential entfalten.

Taekwondo - für jeden Menschen eine andere Bedeutung

Das Trainieren von Taekwondo kann also für jede einzelne Person verschiedenste Gründe haben. Sei es Selbstverteidigung, Wettkampf, bessere körperliche Fitness, persönliche Weiterentwicklung, sich selbst besser kennenlernen und verstehen, vieles mehr oder all diese Aspekte gemeinsam - Taekwondo kann all das bieten, sofern die Bereitschaft besteht, für sich selbst diesen Weg zu gehen.