Sportliche Betätigung für Kinder ist wichtig. Bereits in frühen Jahren werden so Gewohnheiten gebildet, die sich sowohl koordinativ, gesundheitlich, als auch persönlich dauerhaft auszahlen. Alleine an Sportarten gibt es bereits eine enorme Auswahl. Wurde eine Entscheidung für den Kampfsport getroffen, steht aber immer noch die Frage im Raum: Welcher Kampfsport genau eignet sich für mein Kind?


[h2]Was macht Kampfsport für Kinder sinnvoll?[/h2]

Zuallererst ist es wichtig zu wissen, dass Kampfsport allgemein viele Vorteile bietet. Das gilt unabhängig davon, für welchen Kampfsport man sich entscheidet. Der kämpferische, perfektionistische und wettkampforientierte Aspekt des Trainings rückt bei Kindern in den Hintergrund. Relevant sind eher grundlegende Dinge. Dazu gehört das Lernen neuer Begriffe, Abläufe und Bewegungen oder Durchhaltevermögen, wenn etwas nicht sofort funktioniert und sich schwieriger gestaltet, als gedacht. Auch der Bewegungsaspekt selbst, sowie das Training der Körperkraft und Koordination sind nicht zu unterschätzende Vorteile in Zeiten vieler sitzender Tätigkeiten und den kommenden Schultagen. Kinder lernen, sich besser zu bewegen und mit Stürzen im sicheren Umfeld besser umzugehen. Allgemeinen körperlichen Problemen wird frühzeitig vorgebeugt und der Pfad für ein späteres, komplexeres Kampfsporttraining geebnet.

Wettkampf für Kinder

Sorglos kann man auch im Falle von Kampfsportturnieren bleiben. Im Mittelpunkt der Kinderwettkämpfe steht nicht, den Gegner gnadenlos vernichtend zu schlagen. Wichtiger ist es, dass die Kindern lernen, sich im Rahmen eines fairen Regelsystems mit anderen zu messen, um sich selbst besser einschätzen zu können. Selbstreflexion und Motivation, sich weiter verbessern zu wollen, sollen so gestärkt werden. Daher steht anstelle von Aggression eher eine saubere Technik und faires, respektvolles Verhalten im Vordergrund.

Gewaltprävention

Leider ist Gewalt in unserer Gesellschaft nach wie vor ein Thema. Auch in der Schule sind Kinder eventuell Aggressionen ausgesetzt, die schwer kontrollierbar sind oder von außerhalb der Situation nicht vorhersehbar. Letztendlich müssen sich Kinder in der akuten Situation selbst behaupten können und sich etwaigen Bedrohungen eigenmächtig stellen, ehe nachfolgende Maßnahmen ergriffen werden. Durch das Training einer Kampfsportart gelingt dies vor allem wesentlich besser, da Kinder sich ihrer Fähigkeiten eher bewusst sind, was ihr Selbstwertgefühl enorm steigert. Sie haben zum einen nicht mehr das Bedürfnis, sich in Schulhofraufereien zu messen und zum anderen die Stärke, nicht in eine Opferrolle zu verfallen. Es kommt also von vorneherein zu weniger Konfrontationen, da sich Aggressoren tendenziell Personen aussuchen, die ängstliches oder unsicheres Verhalten zeigen.

Welche Kampfsportart bringt meinem Kind am ehesten diese Vorteile?

Eine beste Lösung für alle Kinder gibt es nicht. Jede Kampfsportart hat ihre eigenen Vorteile. Entscheidend ist, welche Kampfkunst dem Kind am meisten Spaß macht und welche am besten zu seinen Interessen und zu seiner Persönlichkeit passt. Zur Orientierung folgt eine Liste mit einigen Erläuterungen, um sich einen Ersteindruck zu bilden. Diese Liste ist keinesfalls komplett, aber die populärsten Optionen sind zur Einschätzung und einen guten Überblick enthalten.

Judo

Judo ist ein japanischer Kampfsport und bedeutet in etwa so viel wie "der sanfte Weg". Schlag- und Tritttechniken sind im Judo nicht erlaubt. Ziel ist es, den Gegner mittels Wurf- und Hebeltechniken kampfunfähig zu machen. Judo ist eine erfolgreiche Turniersportart und die mitunter verbreitetste Kampfsportart der gesamten Erde. Dies hat dazu geführt, dass Judo sogar olympische Disziplin geworden ist. Neben der Kampftechnik wird eine allgemeine Philosophie vermittelt nach dem Prinzip "Siegen durch Nachgeben". Möglichst viel Effekt soll durch wenig Krafteinsatz erzielt werden. Weitere Leitprinzipien sind gegenseitiges Helfen zum gemeinsamen Fortschritt, sowie der möglichst effektivste Einsatz von Körper und Geist.

Durch den Verzicht auf Faustschläge und Tritte ist Judo eine beliebte Wahl für Eltern. Der vergleichbar weniger aggressive Eindruck von Judo lässt Eltern ihre Kinder sorgloser zum Training schicken. Die Kinder lernen im sicheren und positiven Umfeld den direkten Wettbewerb mit anderen.

Aikido

Auch Aikido hat ihren Ursprung in Japan und verzichtet auf Schläge und Tritte. Im Gegensatz zum Judo gibt es allerdings keine Wettkämpfe. Daher spricht man auch explizit von Kampfkunst statt Kampfsport, da ein sportlicher Wettbewerb nicht stattfindet. Im Zentrum steht auch viel deutlicher der Verteidigungsaspekt. Durch Ableiten gegnerischer Angriffe sollen diese komplett unwirksam gemacht werden, um den Gegner entweder möglichst verletzungsfrei in die Kampfunfähigkeit zu bringen oder selbst der Attacke zu entgehen. Einen hohen Stellenwert bekommen Persönlichkeitsaspekte wie Disziplin, Gehorsam und körperlich-seelisches Gleichgewicht.

Durch den direkten Selbstverteidigungsaspekt bei einem gleichzeitig sehr friedlichen Eindruck von Aikido wird diese Kampfkunst von Eltern sehr geschätzt. Kinder lernen viele wichtige Prinzipien für das Leben und dass sie sich nicht mit anderen messen müssen, um sich selbst weiterzuentwickeln. Trotz technisch oberflächlicher Ähnlichkeiten zum Judo bietet Aikido also gänzlich andere Aspekte.

Wing Tsun

Wing Tsun ist ein Kung-Fu-Stil, also eine chinesische Kampfkunst. Weitere Schreibweise können beispielsweise Wing Chun oder Ving Tsun sein. Mit den unterschiedlichen Schreibweisen gehen meist auch Stilabweichungen einher, da sie ihrerseits wiederum für unterschiedliche Ursprünge stehen. Gemeinsam haben alle Stile des Wing Tsun, dass es eine umfassende und eher weiche Kampfkunst ist. Von Schlägen und Tritten über jegliche Griffe, Bodenkampf und weitere Inhalte ist alles vorhanden, allerdings soll der Kraft des Gegners nicht mit eigener Kraft begegnet werden. Angriffe werden neutralisiert und gegen den Gegner gewendet. Wettkämpfe sind im Wing Tsun ungewöhnlich, da Wing Tsun rein auf Effizienz und Selbstverteidigung ausgelegt ist. Somit rückt der Aspekt körperlicher Betätigung auch stärker in den Hintergrund. Die effektiven Techniken erfordern viel Übung, sind aber recht minimalistisch und wenig anstrengend in der Ausführung.
Wing Tsun ist für Kinder vor allem interessant, wenn Wert auf Selbstverteidigung gelegt wird, sportliche Aspekte aber eher unwichtiger sind.

Karate

Im Gegensatz zu Judo und Aikido ist Karate eine japanische Kampfsportart mit Fokus auf Schlag-, Tritt- und Blocktechniken. Das Training ist physisch eher anspruchsvoll und körperliche Ertüchtigung ist ein wichtiger Aspekt. Dies schult vor allem Kraft, Ausdauer und allgemeine Fitness. Dennoch werden Disziplin und Respekt ebenso gelehrt. Außerdem ist in einigen Karateschulen die Meditation eine übliche Praxis. Karate eignet sich durch seine physische Beanspruchung sehr gut für Kinder, die sich austoben müssen.

Taekwondo

Eine der koreanischen Kampfsportarten ist das Taekwondo. Taekwondo ist Karate technisch meist relativ ähnlich, im Mittelpunkt stehen aber um so mehr Fußtechniken, die einfach und effektiv, aber auch akrobatisch und spektakulär sein können. Durch diesen Fokus schult Taekwondo um so mehr Beweglichkeit, Flexibilität und Körperbeherrschung. Das Training ist körperlich fordernd und häufig werden zum Aufwärmen vielfältige Dehnübungen genutzt, um auf die Tritte vorzubereiten. Schlagtechniken werden ebenfalls trainiert, haben aber einen geringeren Stellenwert. Taekwondo ist außerdem olympische Disziplin. Wettkämpfe haben daher je nach Verband einen hohen Stellenwert und werden üblicherweise in sicherer Schutzausrüstung ausgetragen. Für Kinder ist ein früher Beginn im Taekwondo besonders interessant, da sich so ihre natürliche Beweglichkeit erhält, die ein Erwachsener durch das Training erst mühsam zurückgewinnen muss.

Kickboxen

Schlussendlich ist Kickboxen meist die moderne Mischung aus Karate, Taekwondo und Boxen ohne jegliche traditionelle Hintergründe. Maximale sportliche Betätigung und Wettkampferfolg sind hier die zentralen Elemente. Auf eine allgemein gültige Philosophie wird üblicherweise verzichtet. Daher ist Kickboxen einem standardmäßigem Sport näher, als die erwähnten traditionellen Kampfkünste.

Die richtige Entscheidung

Es ist direkt ersichtlich, dass es nicht für jedes Kind die perfekte Wahl geben kann. Einige Kinder tun sich schwer mit Schlägen oder Tritten, vielleicht will ein Kind nicht gerne rangeln, andere lieben besonders akrobatische Fußtechniken. All dies ist wichtig, um zu entscheiden, welcher Kampfsport die richtige Wahl ist. In jedem Fall gestaltet sich das Kindertraining spielerischer, als bei den Erwachsenen und ist vollkommen unbedenklich. Die beste Wahl ist es also, einfach auszuprobieren, was dem Kind am meisten Spaß macht. Durch Probetrainings finden Kinder und Eltern in der Praxis heraus, welche Kampfsportart ihnen am besten liegt und treffen so die besten Entscheidungen.