Faszination asiatische Kampfkunst: Welcher Kampfsport is der Richtige für mich? | Von Aikido bis Wing Chun

Sie stehen auf ein sportliches Kräftemessen am Boden? Dann könnte das brasilianische Jiu Jitsu genau Ihr Ding sein. Für diejenigen, die akrobatische Kicktechniken lieben, dürften dagegen Kampfsportarten wie Taekwondo oder Kickboxen nahezu ideal sein ...

Tatsächlich können gerade Anfänger oftmals nur schwer einschätzen, was genau in der jeweiligen Kampfkunst gelehrt wird. Das liegt auch daran, dass in den meisten Martial-Arts Filmen heute ein bunter Mix aus diversen Kampfsportarten präsentiert wird.

Über Hebel- und Wurftechniken bis hin zu Tritten und Schlägen:

So wissen Kenner der Szene, dass Schauspieler Steven Seagal (7. Dan Aikido) allein im Film „Nico“ (Originaltitel: „Above the Law“), der fast autobiographische Züge trägt, das klassische Aikido gezeigt hat. In späteren Filmen demonstriert der Produzent und Musiker, der neben (s) einer US-amerikanischen auch eine russische und serbische Staatszugehörigkeit besitzt, dann auch Techniken, die eher dem Wing Chun oder militärischen Nahkampf entlehnt sind.

Dabei erscheint es, wenn wir uns Seagals effektive Aikido-Techniken anschauen, fast fragwürdig, dass die asiatischen Kampfkünste bis heute in so genannte weiche und harte Stile unterteilt werden.

Der sanfte Weg?

So kann Judo mit „der sanfte Weg“ übersetzt werden, wohingegen Karate oder Thai Boxen mit ihren Schlägen und Knietechniken als hart und effektiv gelten.

Tatsächlich gibt es Kampfsportarten wie Jiu-Jitsu, Judo und Aikido, bei denen der Fokus der Techniken auf vermeintlich sanfte Hebel und Würfe gelegt wird. Einer der Gründe dafür, weshalb diese Stile auf einem Mattenboden trainiert werden.

Dennoch können auch Aikido oder Judo im Straßenkampf und der Selbstverteidigung effektiv sein. Denn auch ein Wurf, der einen Gegner auf den Betonboden zwingt, vermag einen Kampf zu beenden.

Ohnehin gehen manche Experten davon aus, dass Rangeleien auf der Straße meist am Boden enden, weswegen das brasilianischen Jiu-Jitsu, das vornehmlich den Bodenkampf lehrt, in den letzten Jahren zunehmend populär wurde.

Einer der Vorreiter dieser Kunst war wiederum ein Schauspieler, nämlich Martial-Arts Legende Chuck Norris, der sich, bereits Großmeister in den koreanischen Kampfkünsten, für sein Jiu-Jitsu Training nochmals den Weißgurt umband.

Karate & Taekwondo:

Dem gegenüber stehen Kampfsportarten wie Karate, Taekwondo und Tangsoodo (koreanisches Karate), bei denen vornehmlich Kicks und Schläge trainiert werden. Die indes können, wie Buchautor und Karate-Großmeister Albrecht Pflüger in einem seiner Werke (Karate-Do: Das Handbuch des modernen Karate) anmerkt, für die zivile Selbstverteidigung durchaus reichen. Schließlich müssten wir als Privatpersonen lediglich rechtswidrige Angriffe abwehren, jedoch keinen Gegner zu Boden ringen oder gar abführen.

Ein Karate Meister

Daher gibt es Kampfkünste wie das israelische Krav Maga, die in ihren Kursen unterscheiden, ob das System an Zivilisten oder aber Angehörige der Sicherheitsbranche gelehrt wird.

Die Wurzeln liegen in Asien!

Übersetzt heißt Krav Maga übrigens „Kontaktkampf“ und lässt damit erahnen, dass es in dem System weniger um Sport denn den effektiven (Nah)Kampf geht. Gründer war Imrich Lichtenfeld, der bereits bei seinem Vater, einem Polizisten, das Jiu-Jitsu erlernt hatte.

Doch auch als Boxer und Ringer wusste Lichtenfeld zu überzeugen. Wir haben es also mit einem recht komplexen System zu tun, das bis heute nicht wirklich komplett ist. Denn die modernen Erben des Krav Maga flechten häufig auch Elemente aus dem chinesischen Wing Chun oder dem philippinischen Stockkampf in ihren Unterricht ein. Wie beim europäischen Ju-Jutsu, das ursprünglich als eine Mischung aus Karate, Aikido und Judo zur Ausbildung von Vollzugsbeamten propagiert wurden.

Barfuß und mit bunten Gürteln?

Damit vermag die Vielfalt der Kampfkünste durchaus zu verwirren und hängt die Wahl eines geeigneten Vereins oder Studios auch davon ab, welche Atmosphäre vom Interessenten gesucht wird.

So gibt es Kampfkünste wie Aikido und Taekwondo, die sehr traditionell gelehrt werden. Mit einer fast mystisch anmutenden Etikette, die die meisten von uns schon mal in einem alten Martial-Arts Film bestaunt werden. Kickboxen dagegen versteht sich als moderner Sport, wenngleich die Beintechniken nahezu identisch mit dem Taekwondo sind.

Dennoch wird derjenige, der Gürtelprüfungen ablegen möchte und auf das fernöstliche Zeremoniell steht, mit Karate oder Taekwondo „besser bedient“ sein. Wer gerne Würfe oder Hebel trainiert, für den dürften dagegen Aikido oder einer der zahlreichen Jiu-Jitsu Stile eine gute Wahl sein.

Nicht zuletzt hängt die Entscheidung auch davon ab, ob gerne barfuß trainiert wird. Das ist bei den meisten südostasiatischen Stilen wie Karate, Taekwondo, Viet Vo Dao (vietnamesischer Kung Fu Stil) oder Aikido der Fall, wohingegen Krav Maga oder Wing Chun beschuht geübt werden.

Flinke Fäuste für einen effektiven Stil?

Wie effektiv dieser Stil ist, zeigt sich daran, dass Wing Chun (es gibt auch die Schreibweisen Ving Tsun, Wing Shun etc., dies hat oft markenrechtliche Gründe) heute unter anderem beim FBI gelehrt wird.

Typisch für diesen südchinesischen Stil sind Fauststöße, Fingerstiche und Handkantenschläge, wohingegen Tritt-Techniken, bis auf einen Frontkick und Stampftritte gegen die Knie des Gegners, kaum präsent sind. Wer akrobatische Kicks sucht, dürfte dagegen beim Wing Chun völlig verkehrt sein.

Nationalsportarten und mehr:

Thailändischer Nationalsportart ist dagegen das Thaiboxen, das auch als Muay Thai bekannt wurde. Hier finden sich zahlreiche Kicks, aber auch Techniken mit Knie und Ellbogen, so dass das System, obwohl sportlich orientiert, als äußerst hart und effektiv gilt.

Trainiert wird mit Boxhandschuhen und barfuß, wohingegen beim Escrima der Kurzstock (circa 70 cm lang) das wichtigste Accessoire ist. Allerdings lehren die philippinischen Kampfkünste Arnis/Kali/Escrima auch den Umgang mit Messer, Dolch und Machete. Ebenso unbewaffnete Techniken, die hierzulande philippinisches Boxen genannt werden.

Manche dieser Systeme bieten Gürtelprüfungen an, da das japanische Graduierungssystem adaptiert wurde. Dies gilt auch fürs Kickboxen, während in anderen Vereinen ohne Gürtel, jedoch barfuß (in Shorts und T-Shirt) trainiert wird.

Wer sich für eine Kampfkunst interessiert, sollte daher am besten bei unterschiedlichen Vereinen vorbei schauen. Oftmals können hier, neben einem unverbindlichen Probetraining, auch 10 er Karten gekauft werden. So hat man(n), respektive Frau, genügend Zeit, (s) eine Entscheidung zu treffen.